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Rezension: “Hautnah – Alles über unser größtes Organ” von Yael Adler

Yael Adler ist eine deutsche Hautärztin und Autorin von Sachbüchern. Seit vielen Jahren ist sie durch diverse Medienauftritte als Haut- und Gesundheitsexpertin bekannt.

Hautnah” (2016) ist nicht ihr erstes Buch über Hautgesundheit. Bereits 2004 und 2012 veröffentlichte sie die wissenschaftlichen Nachschlagewerke “Hautkrankheiten im Blick: Ein Fotoatlas für die Kitteltasche” und “Hautkrankheiten. Symptome, Therapie, Beratung“.


Was kann der Spiegel-Bestseller “Hautnah” wirklich? Hält er was er verspricht?

Zunächst mal ist der Titel sehr treffend gewählt. Das Buch enthält tatsächlich einen sehr guten Rundumschlag “über unser größtes Organ”. Es werden alle wichtigen Themenbereiche angesprochen, die unsere Haut betreffen: Funktionsweise der Haut, vermeintliche Schönheitsmakel, Sinn und Unsinn von Pflegeprodukten, Botox-Wahnsinn, Sonnenbaden und der Zusammenhang von Ernährung beziehungsweise unserem Seelenleben und der Haut.

Zwangsläufig erhalten die einzelnen Themenbereiche dadurch teilweise nicht den nötigen Tiefgang und werden etwas einseitig dargestellt. Insbesondere beim Thema Sonnenbaden ist dies aufgefallen.

Sonnenbäder- gefährlich oder gesund?

Recht einseitig wird vor dem Sonnenbaden gewarnt und die Devise laute: “Cremen (Sonnencremen), kleiden, meiden”. Laut Adler würde unterschätzt wie gefährlich ungeschütztes Sonnenbaden tatsächlich ist. Es sei kein Bewusstsein für die Gefährlichkeit der UV-Strahlungen vorhanden. Das Resultat: Wir haben heute mehr Hautkrebs als vor 20 Jahren. Aus Sicht einer Hautärztin mag das stimmen, dabei wird aber die Bedeutung des Sonnenbadens als natürliche Vitamin-D3-Quelle vernachlässigt.

Das ungeschützte Sonnenbad ist aber die beste Methode, um auf natürliche Weise ausreichende Mengen Vitamin D3 auf der Haut zu bilden. Sie ist die effektivste Prävention gegen einen Vitamin-D3-Mangel und daher ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Lebensweise und auch einer ganzheitlich gesunden Haut. Vitamin D3 im Körper sorgt für eine bessere Aufnahmevon Calcium und Phosphat im Organismus, in erster Linie über den Darm. [1] Aber auch für ein intaktes Immunsystem ist Vitamin D3 enorm wichtig.

Dabei sollte intensive Mittagssonne etwa zwischen 12 und 14 Uhr natürlich gemieden werden, ebenso aber auch das Eincremen. Denn durch das Eincremen würde deutlich weniger des Vitamins gebildet. Das Maximum der Vitamin D3 Bildung ist bereits nach 20 Minuten erreicht. Mindestens 5 Prozent der Körperoberfläche (Gesicht, Hals, Handrücken, Unterarme) sollten dem Sonnenlicht ausgesetzt sein.[1]

Schönheitsmakel und Pflegeprodukte als vermeintliche Lösung

Sehr gut dargestellt wurde, warum Schönheitsmakel eigentlich keine sind und warum die meisten Pflegeprodukte völlig unnötig und unwirksam sind. Cellulite ist beispielsweise bei Frauen besonders verbreitet. Das liegt daran, dass das Bindegewebe beim Mann in zwei Richtungen verläuft, also wie ein Netz. Bei Frauen hingegen verläuft es nur in eine Richtung. Dadurch sind bei der Frau die Fetteinlagerungen im Bindegewebe besser sichtbar. Diese Fettdepots sind aber überlebenswichtig und sorgen beispielsweise während einer Schwangerschaft dafür, dass immer ausreichend Fettreserven zur Verfügung stehen.

Diese biologischen Erklärungen vermeintlicher Schönheitsmakel helfen dabei, die Haut als das Wunderwerk anzuerkennen, das sie ist. Anstatt ständig mit unwirksamen Pflegeprodukten an ihr herumdoktern zu wollen.

Ernährung

Auch der Zusammenhang von Ernährung bzw. der Seele und dem Zustand der Haut wird sehr gut erklärt und anschaulich dargestellt. In der Ernährung regt vor allem übermäßiger Milchkonsum das Zellwachstum, schlimmstenfalls die Tumorbildung, an. Die Wachstumshormone in der Milch sorgen auch für eine erhöhte Talgproduktion und damit für Pickeln und Akne. Transfette bzw. Industriefette können im Körper nicht abgebaut werden. Sie setzen sich an den Zellwänden ab, erhöhen den Blutdruck und begünstigen Infarkte sowie einer schnelleren Hautalterung. Für Betroffene von Hauterkrankungen wie Akne, Psiorias oder Neurodermitis spielen Entzündungen im Körper eine Rolle. Transfette tragen zu einem großen Teil zu diesem entzündlichen Prozessen im Körper bei.

Die Lösung aus diesem Schlamassel lautet: Naturbelassene Pflanzenkost mit vielen Mikronährstoffen! Eine Bunte Mischung aus Obst, Gemüse, Körner, Nüssen, Getreide usw. Geheimtipp für frische Haut ganz ohne Cremes: Tomatenmark enthält viel Lycopin, der wichtigste Stoff für die Hauterneuerung. Bereits 1 Löffel am Tag toppt jede Hautcreme.

Haut = Spiegel der Seele

Unsere Haut ist der Spiegel der Seele. Bestes Beispiel ist das Erröten der Haut. Bei Gefühlen wie Scham, Wut oder Angst läuft unser Gesicht rot an. Damit kann unser Umfeld über die Haut unseren Gemütszustand erkennen. Ähnlich sieht es bei Stress aber auch einem erfülltem Liebes- und Sexleben aus.

Stress

Bei erhöhtem Stress wird ein Überschuss des Stresshormons Cortisol gebildet. Es befeuert Blutdruck und Blutzucker, weil es den Körper eigentlich auf Kampf oder Flucht vorbereitet. Erhöhter Blutzucker und Blutdruck ist aber wiederum doof für unsere Haut, weil diese wieder die Talgproduktion und damit Pickel und andere Hautentzündungen verursachen. Die unreine Haut sorgt für Unzufriedenheit und weiteren Stress – ein Teufelskreis. Dieser Teufelskreis kann nur durch ausreichend Ruhephasen durchbrochen werden.

Erfülltes Liebesleben

Glück in der Liebe sorgt nicht nur für eine glückliche Seele sondern auch strahlende Haut. Die Ursache ist der befeuerte Hormonhaushalt. Der erhöhte Testosteronspiegel bei Männern sorgt für Wachstum von Muskeln und Körperbehaarung. Die geisteigerte Östrogenproduktion bei Frauen sorgt für straffe Haut und glänzendes Haar.

Fazit zu “Hautnah”

Die Haut ist ein wahres Wunderwerk der Natur. Ein bärenstarkes Schutzschild nach außen und dennoch sensibler Spiegel unserer Innenwelt. Wir sollten ihr mehr Beachtung schenken und uns von unserer Haut leiten lassen – denn sie zeigt uns genau was wir gerade am meisten brauchen. Wenn du das nächste Mal einen Pickel hast, ärgere dich nicht darüber sondern, gönne dir mehr Ruhephasen und achte auf die richtige Ernährung. Wie wäre es mal wieder mit einem Schaumbad oder eine guten Film?

Das Buch “Hautnah” von Yael Adler ist für alle geeignet, die ein besseres Verständnis über unser größtes Organ bekommen möchten. Auf unterhaltsame und dennoch wissenschaftliche Weise werden spannende und alltagstaugliche Zusammenhänge erklärt.

Quellen:

[1]: Biochemie des Menschen; Thieme-Verlag, 6. Auflage
Pharmakologie und Toxikologie; Thieme-Verlag, 4. Auflage

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